Elektroautos europaweit mit Rekordanteilen

Der europäische Dachverband Transport & Environment hat seinen jüngsten Bericht zum Hochlauf der Elektromobilität veröffentlicht. Der Vorjahresvergleich der Monate Januar bis August zeigt: Die Verkäufe von Elektroautos haben in Europa ein starkes Wachstum hingelegt, nicht zuletzt dank eines immer breiteren Angebots an Fahrzeugmodellen. Diverse Länder ausserhalb Europas zeigen, dass es noch schneller gehen kann. Um die positiven Entwicklungen nicht vorzeitig wieder abzuwürgen, muss bei kommenden Verschärfungen der CO2-Zielwerte der Kurs gehalten werden.

  • Gregory Germann, Projektleiter eco-auto
  • 15. Oktober 2026
Immer mehr Menschen in Europa entscheiden sich beim Autokauf für ein Elektroauto.
Bild: Adobe Stock / rh2010


Zwischen Januar und August 2026 waren 22 Prozent der in der EU neu verkauften Autos batterieelektrisch. 1,64 Millionen Elektrofahrzeuge wurden dabei verkauft – 45 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Zu verdanken ist dieses grosse Wachstum vor allem dem deutschen und dem französischen Automarkt, auf die zusammen 50 Prozent der verkauften Elektroautos entfallen: In Deutschland hatte jedes vierte verkaufte Auto einen Elektroantrieb und in Frankreich sogar knapp jedes dritte. Ebenfalls zum Erfolg beigesteuert haben Länder mit zwar kleineren Märkten, aber höheren Elektroautoanteilen – wie beispielsweise Dänemark (81 %), die Niederlande (39 %) und Belgien (38 %). Die Schweiz hatte im ersten Halbjahr währenddessen einen Anteil von 25 Prozent.

Elektroauto-Anteile und Wachstum im Jahresvergleich, Januar - August 2026

Breiteres Modellangebot treibt die Elektrifizierung an

Auffallend ist zudem das stark wachsende Angebot an Elektrofahrzeugen: Kamen von 2021 bis 2025 jährlich durchschnittlich 15 neue Modelle auf den Markt, so wurden im ersten Halbjahr 2026 bereits 40 neue Modelle lanciert, und 20 weitere werden bis Ende Jahr erwartet. Die grössere Auswahl zeigt sich auch im tieferen Preissegment: Während 2025 acht Modelle für unter 25'000 Euro erhältlich waren, werden es per Ende 2026 voraussichtlich doppelt so viele sein – vier davon sogar für unter 20'000 Euro. Für dieses Tiefpreissegment spezifisch werden bis 2028 rund zehn Modelle erwartet. Zudem prognostiziert T&E, dass in den kommenden Jahren in der Preissegment zwischen 20'000 und 30'000 Euro praktisch gleich viele Elektroautos wie Verbrenner zum Verkauf stehen werden. Dieses stark wachsende Angebot an preisgünstigen Elektroautos wird noch mehr Menschen den Wechsel weg vom Verbrenner und hin zur Elektromobilität ermöglichen und damit die Dekarbonisierung des Strassenverkehrs beschleunigen.

«Und was ist mit China?»

In der Debatte im Westen zur Notwendigkeit von Klimamassnahmen wird wiederholt darauf verwiesen, dass sie sich nicht lohnten, solange Länder wie China bei der Dekarbonisierung hinterherhinken. Doch bei der Elektrifizierung der Fahrzeugflotte – wie auch beim Ausbau der Erneuerbaren – geht China in Tat und Wahrheit schneller voran als Europa: Im Juli 2026 waren 44 Prozent der neuzugelassenen Fahrzeuge batterieelektrisch.

Im Juli 2026 waren in China 44 Prozent der neuzugelassenen Fahrzeuge batterieelektrisch. In Singapur waren es 65 Prozent, in Uruguay 53 Prozent und in Thailand 37 Prozent.

Doch auch andere Länder ausserhalb Europas zeigen, dass es schneller gehen kann: In Singapur waren es 65 Prozent, in Uruguay 53 Prozent und in Thailand 37 Prozent. Nicht verleugnen lässt sich hingegen die Tatsache, dass die Elektrifizierung in gewissen, für die globalen Emissionen teils äusserst wichtigen Ländern noch stagniert. So stecken die E-Auto-Anteile in den USA seit Jahren unter der 10-Prozent-Grenze fest.

Gesetzlich festgelegte CO2-Zielwerte treiben die Elektrifizierung an

Sowohl in der EU als auch in der Schweiz wird die Elektrifizierung massgeblich durch CO2-Zielwerte vorangetrieben, welche Autohersteller und -importeure grundsätzlich jedes Jahr einhalten müssen. Der Wert wird im Schnitt über die gesamte Flotte an neuverkauften Fahrzeugen berechnet und darf nicht über dem Zielwert (Jahre 2025-2029: 93,6 g CO2/km) liegen – ansonsten werden für den Hersteller/Importeur Sanktionszahlungen fällig. Da für die Berechnung nur die direkten Emissionen zählen, haben sämtliche Elektroautos einen Wert von 0 g CO2/km. Somit helfen sie massgeblich, den Flottendurschnitt unter dem Zielwert zu halten und so Sanktionszahlungen zu vermeiden. In der Schweiz ist – analog zur EU – für die Jahre ab 2030 ein verschärfter Zielwert (49,5 g CO2/km) vorgesehen, was in erster Linie durch höhere Elektroauto-Anteile möglich wird. Damit die Elektrifizierung des Strassenverkehrs in den kommenden Jahren weiter beschleunigt wird und die Dekarbonisierung des Verkehrs endlich vorankommt, darf dieser Zielwert nicht abgeschwächt werden. Und spätestens für das Jahr 2035 braucht es ein Null-Gramm-Ziel.

Ausführlichere Informationen zum Fortschritt der Elektromobilität, dem wachsenden Angebot an erschwinglichen Elektroautos, dem Wettbewerb zwischen europäischen und chinesischen Autoherstellern und den aktuellen Diskussionen in der EU rund um die CO2-Zielwerte finden Sie im EV Progress Report von Transport & Environment.

Die Zahlen zu den Elektroauto-Anteilen in Ländern ausserhalb Europas im Juli 2026 finden Sie in diesem Watson-Beitrag.