Die Elektrifizierung der Autos setzt sich in der Schweiz fort
Nachdem im Vorjahr die Zahlen leicht zurückgingen, erreichte die Elektromobilität 2025 einen neuen Höchstwert. Grössere Schritte sind jedoch nötig und das neue Jahr startet mit gemischten Signalen.
- Gregory Germann, Projektleiter eco-auto
- 4. März 2026

Bild: Skoda
Der Schweizer Automarkt ist 2025 zum sechsten Mal in Folge geschrumpft: 6'000 bzw. 2.5 Prozent Neuwagen wurden im Vergleich zum Vorjahr weniger verkauft. Doch die Aufschlüsselung nach Antriebstechnologie offenbart stark unterschiedliche Trends: Während die Verkäufe von Benzinern (-13'800 Fahrzeuge/-20 %) und Dieselfahrzeugen (-6'600/-29 %) weiter zurückgingen, konnten Elektrofahrzeuge (+7'000/+15 %) und Plug-in-Hybride (+5'100/+25 %) zulegen. Somit hatten Elektroautos allein einen Marktanteil von knapp 23 Prozent. Dies übertrifft sowohl den letztjährigen Wert, als der Anteil erstmals rückläufig war, als auch den bisherigen Höchstwert von 2023

BEV (battery-electric vehicle) = Elektrofahrzeug, PHEV (plug-in-hybrid electric vehicle) = Plug-in-Hybrid Fahrzeug
Quelle: LinkedIn-Post Christoph Schreyer, Leiter Sektion Energieeffizienter Verkehr BFE
Der Aufschwung bei den Elektroautos wurde von diversen Marken getragen: Skoda verkaufte knapp doppelt so viele E-Autos wie noch 2024, Renault legte um 36 Prozent und VW um 10 Prozent zu. Klarer Verlierer ist hingegen Tesla, dessen Verkäufe um 28 Prozent zurückgingen. Dennoch war der Tesla Model Y auch 2025 das beliebteste Elektroauto. Doch der Vorsprung auf die Ränge 2 (Skoda Elroq) und 3 (Skoda Enyaq) ist deutlich geschrumpft.
Unter den Top 30 der meistverkauften E-Autos sind auch diverse Modelle mit guten eco-auto-Bewertungen, wie der Renault 5 (Verkaufsrang #7), der Hyundai Inster (#21) oder der Leapmotor T03 (#27). Der BYD Dolphin Surf und der KIA EV4, aktuell jeweils eco-auto-Spitzenreiter der Kategorie Kleinwagen bzw. Kompaktklasse, kamen hingegen zu spät auf den Markt, um noch nennenswerte Verkaufszahlen zu generieren
Grosse kantonale und sprachregionale Unterschiede
Währenddessen offenbart der Blick in die Kantone grosse Unterschiede: Während in Zürich mehr als 30 Prozent der Neuzulassungen batterieelektrisch betriebene Fahrzeuge sind, waren es im Tessin gerade einmal 12 Prozent. Der Tiefstwert in Appenzell-Innerrhoden ist währenddessen wohl auf die Tausenden von Mietwagen zurückzuführen, welche in der Schweiz in der Regel im Ostschweizer Kanton registriert – und weniger schnell elektrifiziert – werden. Die Zahlen aus den Nachbarskantonen Appenzell-Ausserrhoden und St. Gallen jedenfalls scheinen diese Annahme zu erhärten. Auch sprachregionale Unterschiede lassen sich erkennen: Während die Kantone der Deutschschweiz (ausser Appenzell-Innerrhoden) den nationalen Schnitt anheben, liegen die Westschweizer Kantone sowie das Tessin darunter.

Die Schweiz im europäischen Mittelfeld
Die steigenden Anteile der Elektromobilität sind mit Blick auf Klima und Umwelt erfreulich. Doch der Blick ins Ausland zeigt, dass bei den Personenwagen durchaus mehr möglich ist: Die Schweiz liegt zwar knapp über dem europäischen Durchschnitt von 19,5 Prozent, doch zahlreiche Länder können wesentlich höhere E-Auto-Anteile vorweisen, darunter Norwegen (95,9 %), Dänemark (68,5 %) und Island (41,2 %). Diese Länder zeigen auch, wie schnell das Wachstum erfolgen kann, wenn die Rahmenbedingungen stimmen: In Norwegen stieg der Anteil innerhalb eines Jahres um 7 Prozent, in Island und Dänemark jeweils um rund 15 Prozent.

Ernüchternde Signale vonseiten EU und Bundesrat…
Zu Beginn des neuen Jahres sind die Signale zur künftigen Entwicklung der E-Mobilität gemischt. Wenig erfreulich sind beispielsweise die Diskussionen in der EU über eine Lockerung der CO2-Zielwerte für Autos. Unter anderem sollen die Emissionen bis 2035 nicht um 100 Prozent, sondern im Vergleich zu 2021 um 90 Prozent reduziert werden. Somit dürften auch nach 2035 noch Autos mit Verbrennungsmotor verkauft werden – je nach Flottenstruktur zwischen 5 und 50 Prozent.
Doch auch die Signale seitens Schweizer Regierung sind ernüchternd: Die Massnahmen im Verkehr, die der Bund in seinen Eckwerten zur Klimapolitik ab 2030 vorsieht, werden der klimapolitischen Dringlichkeit nicht gerecht. Gut möglich sogar, dass diese in Anbetracht der Diskussionen in der EU noch weiter gelockert werden.
… und ermutigende Signale vonseiten Parlament
Äusserst willkommen ist daher die jüngste Meldung aus dem Parlament: Nachdem sich abzeichnete, dass diverse (Gross-)Importeure die seit 2025 geltenden CO2-Zielwerte von 93,6g nicht einhalten würden, stand eine Flexibilisierung der Ziele analog zur Regelung in der EU im Raum: Statt jedes Jahr den Zielwert einhalten zu müssen, würde demnach der Durchschnitt der Jahre 2025 bis 2027 in Betracht gezogen. Diese Flexibilisierung wurde vor allem von der Branche gefordert, welche Sanktionszahlungen von bis zu 500 Mio. Franken prognostizierte.
Die anfallenden Sanktionszahlungen seien zwar «erheblich», jedoch «verkraftbar» und eine Flexibilisierung «aufgrund ihrer rückwirkenden Anwendung staatspolitisch heikel».
Inzwischen zeigt sich, dass diese Schätzungen stark übertrieben waren. Auch in Anbetracht dessen hat die zuständige Umweltkommission des Nationalrats Ende Januar entschieden, den entsprechenden Vorstoss wieder zurückzuziehen. Die Begründung: Die anfallenden Sanktionszahlungen seien zwar «erheblich», jedoch «verkraftbar» und eine Flexibilisierung «aufgrund ihrer rückwirkenden Anwendung staatspolitisch heikel».
Vielversprechender Start ins neue Jahr
Auch der Markt sendet positive Signale: Nie zuvor war der Marktanteil von E-Autos im Januar so hoch wie dieses Jahr (2026: 20,9 % vs. 2025: 19,7 %). Die zahlreich angekündigten Modelle in den tieferen Preissegmenten (z.B. Renault Twingo, VW ID.Polo oder Skoda Epiq) und die grossen Entwicklungssprünge über diverse Fahrzeugklassen hinweg, stimmen zusätzlich optimistisch. So erscheint dieses Jahr für noch mehr Importeure ein Erreichen der CO2-Ziele als durchaus realistisch.