Mit dem Elektroauto ans Mittelmeer

Bewährt sich Elektromobilität für eine zweiwöchige Familienreise über die Alpen nach Italien? Unser Autor und seine Familie haben den Selbstversuch gewagt.

  • Martin Winder, Bereichsleiter Verkehrspolitik und Kampagnen VCS Schweiz
  • 23. September 2025
Dank Apps ist es kein Problem, Ladestationen für E-Autos zu finden. Einige sind auch schön gele-gen, wie in Baveno direkt am Lago Maggiore.
Image: Martin Winder


VCS-Mitglieder profitieren von 20 Prozent Rabatt auf die Miete von Elektrofahrzeugen bei Europcar. Dieses Angebot wollte ich in unseren Sommerferien ausprobieren. Ich habe für unsere vierköpfige Familie einen elektrischen Kleinwagen gemietet. Aktuell bietet Europcar in der kleinsten Fahrzeugkategorie den Cupra Born oder den, technisch praktisch identischen, VW ID.3 an. Wir bekamen letzteres Modell. Um unterwegs laden zu können, habe ich vorgängig die ZVolt-App des VCS-Partners Zurich Versicherung installiert. Bei der Miete des Autos habe ich die optional angebotene Ladekarte von Shell Recharge gebucht.

Wir konnten das Auto am Europcar-Standort wenige Gehminuten vom Bahnhof Luzern entfernt mit voller Batterie übernehmen. Obwohl es klein ist, bot es gerade genügend Platz für unser Reisegepäck. Die angezeigte Reichweite von über 500 Kilometern war mehr als genug für unsere erste Etappe.

Die Superkraft des Elektroautos

Auf der Fahrt rund 100 Kilometer langen Fahrt via Brünig- und Grimselpass hinauf zur Eisgrotte am Rhonegletscher, konnten wir einen der grossen Vorteile von Elektroautos eindrücklich erleben: die Rekuperation beim Bergabfahren. Dabei funktioniert der Elektromotor als Generator und speist Strom zurück in die Batterie. Der Akkustand stieg bei der Abfahrt vom Grimselpass nach Gletsch um fünf Prozent.

Dank der Rekuperation konnten wir den Ladestand bis Brig halten.

Nachdem wir das Auto an einer langsamen Ladestation in Ulrichen (VS) via ZVolt-App auf 75 Prozent aufgeladen hatten, ging es weiter über den Simplonpass nach Baveno am Lago Maggiore. Dank der Rekuperation konnten wir den Ladestand bis Brig halten. Obwohl der Strom bequem bis Baveno gereicht hätte, nutzten wir in Gondo (VS) die Gelegenheit, um an einer Ladestation von enalpin nachzuladen. In der Tiefgarage funktionierte die Nutzung der ZVolt-App wegen schlechten Empfangs nicht. Wir konnten den Ladevorgang jedoch mit der Kreditkarte bezahlen.

Entspannte Fahrt auf der Autobahn

Vor der Fahrt von Baveno an die ligurische Küste luden wir das Auto an einer öffentlichen Ladestation. Nun stand die bisher längste Etappe an: 250 Kilometer bis Pietra Ligure, grösstenteils auf der Autobahn. Der ID.3 stellte sich dabei, wie auch auf den vorherigen Etappen, als sehr angenehmes Reisegefährt heraus. Elektroautos fahren sehr ruhig, wer es sich nicht gewohnt ist, unterschätzt leicht die eigene Geschwindigkeit. Es lohnt sich, den Tempomat zu nutzen.

Wir fuhren das Auto immer im stromsparenden Eco-Modus. Dieser reduziert die Motorleistung und begrenzt die Geschwindigkeit auf 130 km/h, was auf italienischen Autobahnen der erlaubten Höchstgeschwindigkeit entspricht.

Wir hatten nie Schwierigkeiten, eine Ladestation zu finden, und das Laden hat immer funktioniert.

Der Akkustand von 66 Prozent hätte es erlaubt, bis Pietra Ligure durchzufahren. Doch weil wir sowieso eine Pause brauchten, nutzten die Gelegenheit, an der Autobahn-Raststätte bei Occimiano eine Schnellladestation zu testen. Den Ladevorgang konnten wir mit der Ladekarte in weniger als einer Minute starten – schneller hätten wir auch einen Zapfhahn nicht einstecken können. Die Station lud mit rund 100 kW, nach 23 Minuten war der Akkustand bei 90 Prozent.

Fazit: Test bestanden

In Pietra Ligure stand das Auto eine Woche in der Tiefgarage unseres Ferienquartiers. Für die Rückfahrt wählten wir dieselbe Strecke wie bei der Hinreise, jedoch an einem Stück. Wir machten zwei Stopps zum Laden. Das hat problemlos funktioniert. Unser Fazit war klar: Wenn wir das nächste Mal ein Auto mieten, wird es auf jeden Fall ein Elektroauto sein. Wir hatten nie Schwierigkeiten, eine Ladestation zu finden, und das Laden hat immer funktioniert. Wir würden jedoch empfehlen, sich nicht auf Lade-Apps zu verlassen. Eine Ladekarte funktioniert auch ohne Handy-Empfang.

Für die Routenplanung nutzten wir die empfehlenswerte App ABPR von abetterrouteplanner.com. Hier gibt man nebst Reiseziel Modell und Batteriestand des E-Autos ein. Die App schlägt dann Ladestopps vor und prognostiziert, wie hoch der Batteriestand bei der Ankunft voraussichtlich sein wird.

Infos zum Mitgliederangebot von Europcar finden Sie hier: www.verkehrsclub.ch/angebot/mietwagen