Studie macht gehörig Wind für Elektroautos
Eine neue Untersuchung im Auftrag des Bundesamts für Energie BFE belegt den Klimanutzen von E-Autos und kommt zu einem geradezu vernichtenden Schluss, was Verbrenner angeht. Mit Blick auf die Klimaziele müssten praktisch alle Schweizer Benziner und Dieselautos sofort stillgelegt werden.
- Andreas Käsermann, Mediensprecher des VCS Schweiz
- 20. August 2025

Bild: Samira Oschounig
Der Umstieg auf ein E-Auto lohnt sich praktisch immer. Dies ist die Antwort auf die Frage, mit welcher das Bundesamt für Energie BFE das Forschungsunternehmen Infras beauftragte. Die Erkenntnisse legen nahe, dass aus Klimasicht etwa 90 Prozent der Schweizer Personenwagen ersetzt werden sollten.
Vor allem Vielfahrer*innen müssten den Verbrenner hergeben: «Ab circa 8000 km pro Jahr lohnt sich der Umstieg fast immer, wenn man von einer durchschnittlichen Fahrzeug-Lebensdauer von 16 Jahren ausgeht.» Damit entkräftet die Studie den Mythos, dass es besser sei, einen bestehenden Verbrenner bis zur Schrottreife weiterzufahren, statt ihn durch ein Elektroauto zu ersetzen. Und weiter: «Es lohnt sich auch einen jungen oder sogar einen neuen Verbrenner durch ein Elektroauto zu ersetzen, vor allem wenn er einen hohen Verbrauch hat und das Fahrzeug häufig gefahren wird.»
Es lohnt sich auch einen jungen oder sogar einen neuen Verbrenner durch ein Elektroauto zu ersetzen, vor allem wenn er einen hohen Verbrauch hat und das Fahrzeug häufig gefahren wird.
Anders sieht es bei wenig genutzten Autos aus: Unter circa 4000 bis 5000 gefahrenen km pro Jahr verspräche ein Umstieg keinen Gewinn für das Klima. Aus Klimasicht sei es in diesem Fall ratsam, ein Auto gar nicht zu ersetzen: «Ein eigenes Elektroauto zu kaufen, um es nur sehr selten zu nutzen, ist aus Kosten- und Klimasicht nicht optimal. Am besten wäre es, so viel wie möglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren und ein Fahrzeug nur dann zu mieten, wenn es nötig ist.» Abhängig von der Distanz mag häufig auch das Velo oder E-Bike passen.
Gleiches mit gleichem vergleichen
Kommt ein Umstieg infrage, ist die Fahrzeugklasse ein entscheidendes Kriterium: «Wird ein sparsamer Verbrenner durch ein schwereres E-Auto ersetzt, kann die CO₂-Bilanz auch ins Negative kippen», sagt Martin Winder, VCS-Bereichsleiter Verkehrspolitik und Kampagnen. «Leider liebäugeln viele bei einem Autowechsel mit einem grösseren Modell. Ganz besonders dann, wenn sie ein Elektroauto erwägen: Die besseren CO₂-Werte verlocken, zu einer überdimensionierten Fahrzeugklasse zu wechseln – mit entsprechenden Abstrichen fürs Klima.» Die Bilanz verschlechtere sich weiter, wenn zusätzlich noch mehr gefahren werde als mit dem einstigen Verbrenner. In der Umweltökonomie wird dies als Rebound-Effekt bezeichnet.
Wird ein sparsamer Verbrenner durch ein schwereres E-Auto ersetzt, kann die CO₂-Bilanz auch ins Negative kippen.
Martin Winder, VCS
Wird aber eine identische Fahrzeugklasse und eine ähnliche Nutzung verglichen, trumpfen die Stromer auf. Ein elektrischer Mittelklassewagen mit 400 km Reichweite, der über die Jahre 200 000 km weit gefahren wird, verursacht rund die Hälfte der Treibhausgas-Emissionen eines vergleichbaren Verbrenners. Und dies, obwohl die CO₂-intensive Batterieproduktion rund einen Fünftel der gesamten Lebensklimabilanz des Elektroautos ausmacht.
Verkaufen oder verschrotten?
Letztlich stellt sich die Frage nach der Zukunft des alten Wagens: Zum Schrottplatz fahren und stilllegen? Oder verkaufen? Eventuell sogar ins Ausland? Die Infras-Studie gibt eine klare Empfehlung ab: «Wenn der aktuelle Verbrenner noch nicht sehr alt ist und einen unterdurchschnittlichen Verbrauch hat, sollte er in der Schweiz verkauft werden, um ein noch älteres Fahrzeug zu ersetzen.» Benziner und Dieselautos, welche älter als elf Jahre sind, gehörten hingegen entsorgt oder exportiert.
Doch hat der Autoverkauf ins Ausland einen Rattenschwanz zur Folge, über den sich die Studie weitgehend ausschweigt. «Dem Weltklima hilft der Export alter Autos sicher nicht», moniert Winder. «Wenn jedes Land den jeweils ältesten Teil der Flotte einfach abschiebt, wird das Klimaproblem nicht gelöst, sondern verlagert.» In vielen Ländern dürften darum ältere Fahrzeuge mit hoher Schadstoffbelastung gar nicht mehr importiert werden.
Sauberer Strom macht den UnterschiedDer Schweizer Strommix ist wie gemacht für die Elektromobilität: Im Jahr 2023 stammten 78 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen – insbesondere aus Wasserkraft. Nur rund jede fünfte Kilowattstunde stammte aus Kernenergie, fossile Energieträger machten ein Prozent aus. VCS-Experte Martin Winder rät darum, das Elektroauto mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen zu laden: «Zwar sind E-Autos so effizient, dass sie selbst mit Strom aus Gaskraftwerken mit Benzinern und Dieseln mithalten können. Ihr volles Klimaschutzpotenzial entfaltet sich jedoch dann, wenn sie mit Strom aus treibhausgasarmen Quellen geladen werden.» |
Link zur Studie: https://www.bfe.admin.ch/bfe/de/home/effizienz/mob...