Unterwegs laden – kein Problem

Wer ein Elektrofahrzeug hat, lädt es in der Regel zuhause oder am Arbeitsplatz. Auf einer längeren Reise kommt man aber nicht umhin, unterwegs zu laden. Wie geht man vor?

  • Sara Blaser, Sprachwerk GmbH
  • 21. November 2021
Mit etwas Vorbereitung ist das Laden an öffentlichen Ladestationen eine entspannte Sache.
Bild: VCS / Nelly Jaggi


Die meisten Elektrofahrzeugmodelle verfügen mittlerweile über eine Reichweite, die für den Alltagsgebrauch ihren Zweck mehr als erfüllt. Und auch wenn es einmal weiter gehen soll, ist die Reichweitenangst, die bisher viele davon abhielt, auf ein Elektrofahrzeug umzusteigen, nicht mehr begründet. Mit mehreren tausend Ladestationen verfügt die Schweiz schon über ein sehr dichtes Netz an E-Ladestationen. Digitale Karten mit einer Übersicht über alle Ladestationen im öffentlichen Raum sowie Angaben zu den vorhandenen Anschlüssen, Zahlungsmöglichkeiten und Echtzeitinformationen über die Belegung, sind online schnell gefunden.

Sehr viele Unternehmen

Bei der öffentlichen Ladeinfrastruktur buhlen zahlreiche Anbieter um Marktanteile. Dies hat den Vorteil, dass sich das Netz sehr schnell vergrössert hat. Der Nachteil ist jedoch, dass jeder Anbieter ein eigenes Tarifmodell hat und die Preise dadurch nicht ganz einfach miteinander vergleichbar sind. Dies sollte aber nicht abschrecken, denn das Prinzip ist bei allen ähnlich. Die Ladesäule muss mit einer App oder einer Ladekarte aktiviert werden. Die Bezahlung erfolgt via App oder Kreditkarte. Je nach Betreiber setzen sich die Kosten unterschiedlich zusammen: aus einer pauschalen Grundgebühr pro Ladung, einem Tarif pro kWh Strom, einer Gebühr pro Minute oder einer Kombination dieser Komponenten. Einige Anbieter haben auch Flatrate-Angebote.

«Im Extremfall erfährt man erst mit der Kreditkartenrechnung, wie viel man bezahlt hat.»
Claudio Pfister

Claudio Pfister, Leiter der Fachgesellschaft e-mobile beim Verband Electrosuisse, bemängelt die fehlende Preistransparenz an E-Tankstellen:«Im Extremfall erfährt man erst mit der Kreditkartenrechnung, wie viel man bezahlt hat.» Bleibt es beim gelegentlichen Zwischenladen unterwegs, fallen diese Tarifunterschiede nicht gross ins Gewicht. Wer sich hingegen für das regelmässige Laden unterwegs rüsten möchte, tut gut daran, etwas Recherche zu betreiben. Pfister: «Bezahlt man zuhause zwischen 15 und 25 Rappen pro kWh, variiert es im öffentlichen Raum von kostenlos bis zu 1 Franken pro kWh.» Sein Rat: Schon vor Antritt der Reise die Tarife von verschiedenen Ladestationen vergleichen.

Wie gehe ich vor?

Wer in einem Tesla unterwegs ist, kann sich zurücklehnen: Gibt man eine Route ins Navigationsgerät ein, die die aktuelle Restreichweite übersteigt, plant das Fahrzeug die Ladestopps an den Tesla-eigenen Supercharger- Stationen selbstständig und reserviert die Ladestation auch gleich für die berechnete Ankunftszeit. Ausserdem gibt es im Navigationsgerät Angaben zu Geschäften und Restaurants, die sich in der Nähe der Ladestation befinden. Wer ein anderes Modell fährt, sollte sich vor Antritt der Reise einige Gedanken machen.

◾Ist das Fahrzeugmodell schnellladefähig?

Wenn das Fahrzeug nicht schnellladefähig ist und eine Reichweite von weniger als 200 km hat, müssen auf langen Reisen möglicherweise mehrere längere Ladestopps eingelegt werden. Eine gute Planung ist zu empfehlen.

◾ Route berechnen, mit der Reichweite des Fahrzeugs vergleichen und Übersichtskarte der Ladestationen konsultieren:

Planen Sie einen Ladestopp früh genug ein: je nach Fahrweise und Witterung spätestens, wenn die Reichweite noch 20 bis 30 % beträgt. Prüfen Sie, welche Stationen in Betracht kämen und ob Ihr Fahrzeug mit den vorhandenen Anschlüssen kompatibel ist.

Abklären, wie die Bezahlung beim Anbieter der Ladestation geregelt ist:

Wie hoch ist der Tarif? Kann man direkt mit Kreditkarte bezahlen, ist eine App notwendig oder muss man gar erst eine Ladekarte bestellen, die per Post zugeschickt wird? Die direkte Bezahlung vor Ort mit Kreditkarte ist bei den wenigsten Ladestationen möglich.

Auf der Autobahn werden Ladesäulen schneller frei:

Autobahnraststätten bieten meist mehrere Schnellladestationen an. Sind diese besetzt, ist das meist nicht von Dauer.

Langsamer laden ist günstiger:

Wer die Zeit hat, das Fahrzeug langsam zu laden, spart Geld. Im Idealfall lässt sich der Ladestopp mit dem Mittagessen, einem Termin oder einer Hotelübernachtung kombinieren. Hotels, Restaurants und Geschäfte haben den Wert von Ladestationen als Marketinginstrument mittlerweile erkannt.

Das eigene Ladekabel mitnehmen:

So sind Sie dafür gerüstet, im Notfall auch an einer normalen Steckdose aufzuladen.

Verschiedene Ladekarten mitführen:

Soweit keine Grundgebühr für die Karte anfällt, lohnt es sich, Ladekarten von verschiedenen Anbietern bereitzuhaben. Bezahlt man mit der Ladekarte des Betreibers, erhält man meist die besseren Tarife als bei Bezahlung mit Kreditkarte

Was aufwendig klingt, ist nur halb so schlimm. Die offizielle Reichweite der meisten neuen Elektroauto-Modelle liegt bei rund 300 bis 400 km. Wer von Romanshorn nach Genf quer durch die Schweiz reist, muss damit höchstens einen Lade-Stopp einplanen.

Wo laden?

Sämtliche Anbieter stellen Übersichtskarten zur Verfügung, auf denen nicht nur die eigenen Stationen angezeigt werden, sondern alle, mit denen sie kooperieren. Für Angaben zu Preisen ist jedoch zum Teil ein Login erforderlich. Übersichtskarten von anbieterunabhängiger Seite sind vom Bund auf ich-tanke-strom.ch und von Electrosuisse unter e-mobile.ch zu finden.

◾ Auf gratis-laden.ch sind sämtliche Ladestationen aufgeführt, an denen gratis geladen werden kann – z. B. auf Parkplätzen von Einkaufsläden.

Tesla: Mit über 20 Supercharger-Standorten im öffentlichen Raum sowie hunderten Ladestationen in Hotels oder Einkaufszentren ist die Abdeckung sehr gut. Die Ladestationen sind jedoch Tesla-Fahrerinnen und -Fahrern vorbehalten.

Evpass: Keine Registrierung notwendig. Verrechnung pro kWh (ab 50 Rappen) bis zum Alles-inklusive-Angebot für 120.– pro Monat. Garantiert Strom aus erneuerbaren Quellen. Bietet zahlreiche Zahlungsmöglichkeiten (Twint, App, Kreditkarte,Debitkarte, Apple Pay).

Move: Zusammenschluss von Alpiq, ewb, Groupe E und Primeo Energie. Garantiert Strom aus erneuerbaren Quellen. Kein Abonnement nötig, Aktivierung mit Smartphone und Kreditkarte möglich. Tarife nach kWh (ab 45 Rappen), bis zur Flatrate von 249.– pro Monat.

Swisscharge: Ladenetzverbund (Tarife durch Eigentümer der Stationen festgelegt). Abonnement ist nicht erforderlich. Bezahlung mit App oder Ladekarte, auch der SwissPass der SBB kann als Ladekarte verwendet werden. Ladestationen können via App eine halbe Stunde im Voraus reserviert werden.

Chargemap: Anbieter von App und Bezahlmöglichkeit, keine eigenen Ladestationen. Bietet eine gute Übersicht über Ladepunkte europaweit, Tarife aber teuer. Nützliches Feature der Übersichtskarte: Community kann Kommentare und Fotos der Ladepunkte erfassen.


Wichtiges Anliegen der Roadmap 2022

Die Roadmap Elektromobilität 2022 verfolgt das Ziel, den Anteil von Elektrofahrzeugen und Plug-in-Hybriden bei den Neuzulassungen von Personenwagen bis ins Jahr 2022 auf 15 % zu steigern. Eine optimale Ladeinfrastruktur ist einer der drei Pfeiler der Initiative. Für das Schnellladen im öffentlichen Raum sorgt unter anderem der Bund mit dem Ausbau von Schnellladestationen auf allen 99 Autobahnrastplätzen schweizweit. Im Juni 2020 ging die erste Schnellladestation in Betrieb. Zusammen mit den Raststätten werden letztlich 160 solcher Stationen mit rund 600 Ladepunkten zur Verfügung stehen. Auch das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich baut das öffentliche Schnellladenetz aus: 30 werden in der Stadt Zürich entstehen. Und in Pratteln wird mit dem Swiss E-Mobility Hub bis 2023 die grösste Ladestation Europas gebaut: 280 Ladesäulen, davon 60 Schnellladestationen, die zu 100 % mit lokaler erneuerbarer Energie betrieben werden.


Dieser Text wurde erstmals im März 2021 in der Auto-Umweltliste publiziert.