Verbrenner verschrotten – in der Regel mit Klimavorteil

Eine neu veröffentlichte US-Studie bestätigt, dass es sich aus Sicht des Klimas in den allermeisten Fällen lohnt, einen Verbrenner ausser Verkehr zu setzen und durch ein Elektroauto zu ersetzen. Frühere Studien sind bereits zu ähnlichen Erkenntnissen gelangt. Die Lage ist also eindeutig: Autos mit Verbrennungsmotor müssen so schnell wie möglich verschrottet werden und durch Alternativen ersetzt werden – sei es durch Elektroautos, den Umstieg auf den öffentlichen Verkehr oder aufs Velo.

  • Gregory Germann, Projektleiter eco-auto
  • 26. August 2026
Wenn er durch ein Elektroauto ersetzt wird, spart sogar das Verschrotten eines neuen Verbrenners CO2-Emissionen.
Bild: Adobe Stock / Thomas Reimer

Die Studie von zwei US-Wissenschaftern befasste sich mit der Frage: Ab wann lohnt es sich aus Klimasicht, ein Auto mit Verbrennungsmotor zu verschrotten und durch ein Elektroauto zu ersetzen? Entscheidend sind verschiedene Faktoren. So ist die Herstellung eines E-Autos deutlich CO2-intensiver als bei einem Verbrenner; wobei ein Grossteil des Fussabdrucks auf die Produktion der Batterie zurückgeht. Im Betrieb hingegen ist das Elektroauto deutlich weniger klimaschädlich. Ein E-Auto verursacht zwar indirekt CO2-Emissionen aus der Stromproduktion, doch beim Verbrenner fallen sowohl bei der Bereitstellung als auch bei der Verbrennung des Treibstoffs – sprich beim Fahren – CO2-Emissionen an.

Die Studienautoren haben anhand diverser Szenarien untersucht, ab wann es sich lohnt, die zusätzlichen CO2-Emissionen aus der Produktion eines Elektroautos «in Kauf zu nehmen», wenn im Gegenzug der spätere Betrieb deutlich CO2-ärmer wird. Dabei zeigt sich: In fast sämtlichen Szenarien führt das Verschrotten eines Verbrenners und der Ersatz durch ein Elektroauto zu erheblichen CO2-Einsparungen – sogar bei Verbrennern, die erst ein Jahr alt sind.

In fast sämtlichen Szenarien führt das Verschrotten eines Verbrenners und der Ersatz durch ein Elektroauto zu erheblichen CO2-Einsparungen – sogar bei Verbrennern, die erst ein Jahr alt sind.

Entscheidend ist, dass der Verbrenner tatsächlich ausser Verkehr gesetzt wird – also auf dem Schrottplatz landet. Wird er nämlich stattdessen auf dem Occasionsmarkt wieder verkauft oder ins Ausland exportiert, emittiert er in seinem «zweiten Leben» weiter CO2. Zudem führt im schlimmsten Fall das wachsende Angebot zu tieferen Preisen für gebrauchte Verbrenner, was sie attraktiver macht.

Künftiger Klimavorteil in der Schweiz noch grösser

In den Ergebnissen nicht berücksichtigt wurden künftige Effizienzgewinne, welche vor allem bei Elektroautos zu erwarten sind: Je mehr der Strom aus erneuerbaren Quellen stammt, umso weniger CO2-intensiv ist in Zukunft der Betrieb eines Elektroautos. Zudem versprechen absehbare Fortschritte bei der Batterietechnologie sowohl einen effizienteren Betrieb als auch eine ressourcenschonendere Produktion. Da die zu erwartenden Effizienzgewinne bei Verbrennern vernachlässigbar klein sind, folgt daraus künftig ein noch grösserer Klimavorteil.

Während die Studie im Kontext der USA durchgeführt wurde, sind die Erkenntnisse durchaus auch für die Schweiz relevant. So ist dank einer bereits heute vergleichsweise CO2-armen Stromproduktion der Klimavorteil beim Betrieb eines Elektroautos hierzulande noch grösser. Eine Studie von INFRAS hat bereits 2025 gezeigt, dass in der Schweiz aus Klimasicht 90 % der Personenwagen sofort durch ein E-Auto ersetzt werden sollten. Lediglich bei Verbrennern, die jährlich weniger als 5'000 Kilometer gefahren werden, ergibt sich durch den Umstieg auf ein vergleichbares E-Auto kein Klimavorteil.

Politische Massnahmen sind gefordert

Einen funktionstüchtigen Verbrenner verschrotten zu lassen und sich ein E-Auto zuzulegen ist in vielen Fällen jedoch aus finanzieller Sicht nicht interessant. Hier braucht es seitens Politik finanzielle Anreize, um die Menschen zum Umstieg zu motivieren. Beispiele für solche Massnahmen gibt es bereits verschiedene: In den Niederlanden werden Menschen mit tieferem oder mittlerem Einkommen künftig für das Verschrotten ihres Verbrenners mit einem Bonus belohnt, den sie für den Kauf eines gebrauchten Elektroautos einsetzen können. In Kalifornien kann man bereits heute eine Gutschrift für den Kauf eines E-Autos (neu oder gebraucht), für E-Bikes oder auch für ÖV-Abos einsetzen. Die Stadt Barcelona wiederum entschädigt das Verschrotten von besonders klimabelastenden Verbrennern mit einem Drei-Jahres-Abo für den städtischen öffentlichen Verkehr.

Inspiration für ähnliche Massnahmen in der Schweiz wäre also bereits reichlich vorhanden.