«Wir bei eco-auto sehen das ganzheitlicher»
Gregory Germann leitet seit Dezember das VCS-Team für umweltfreundlichere Fahrzeuge. Zuvor unterstutzte er bei swisscleantech Unternehmen in den Themen Verkehrswende und Kreislaufwirtschaft.
- Interview: Simon Leisinger, Praktikant beim VCS Schweiz
- 19. Februar 2026

Bild: barbara sigg photgraphy
Gregory, welche Beziehung hast du zu Autos?
Ich besitze kein Auto. Ich kann meinen Alltag in der Stadt sehr gut mit dem Velo und mit dem öffentlichen Verkehr bewältigen. Wenn es aber zum Beispiel darum geht, ein grösseres Möbelstück zu transportieren, ist ein Mobility-Auto natürlich sehr hilfreich. Und ehrlich gesagt habe ich auch schöne Erinnerungen an Ferien mit dem Auto.
Welche Rolle spielt das Auto bei deiner Arbeit für den VCS?
Auf unserer Onlineplattform eco-auto bewerten wir Elektro-, aber auch Benzin- und Dieselfahrzeuge nach verschiedenen Umweltkriterien. Wer kurz vor dem Autokauf steht, kann die Rangliste durchgehen und schauen, welches Auto am besten abschneidet. Ich arbeite aber auch aktiv bei politischen Fragen mit. Sich dort einzubringen, ist ein Riesenhebel, um ebendiese Fahrzeuge umweltfreundlicher zu machen.
Auch das Bundesamt für Energie und der TCS erstellen Klimabilanzen von Autos. Wie hebt sich eco-auto von diesen Angeboten ab?
Die erwähnten Angebote fokussieren stark auf die Energieeffizienz. Wir bei eco-auto sehen das ganzheitlicher. Die Energieeffizienz berücksichtigen wir natürlich, aber bei den Elektroautos bewerten wir auch den Lärm und die Grösse der Batterie. Je grösser die Batterie, desto grösser die Umweltauswirkungen der Produktion – aber auch desto schwerer das Fahrzeug. Bei Benzin- und Dieselautos bewerten wir nebst den CO2-Emissionen auch Luftschadstoffe und Lärm.
Selbst ein Elektroauto ist viermal umweltschädlicher als der öffentliche Verkehr.
Wieso spricht der VCS vor diesem Hintergrund von «umweltfreundlichen Fahrzeugen»?
Zuerst soll natürlich der Verkehr möglichst vermieden und dann auf den ÖV oder den Fuss- und Veloverkehr verlagert werden. In einem letzten Schritt müssen wir aber den verbleibenden Autoverkehr möglichst umweltfreundlich gestalten.
Wie mochtest du in deiner neuen Rolle eco-auto prägen?
In Norwegen waren im letzten Jahr 95 Prozent der neu zugelassenen Autos elektrisch. Weitere Länder ziehen schnell mit. Mit einem Ratgeber wie eco-auto diesen Umbruch zu begleiten, finde ich sehr spannend. Wir werden uns fragen müssen, wie lange es noch Gründe gibt, ein Auto mit Verbrennungsmotor zu kaufen. Ab wann listen wir solche Fahrzeuge nicht mehr bei eco-auto auf? Und wir wollen die Bekanntheit von eco-auto steigern.
Welche Rolle sollten Autos in Zukunft haben?
Jemand, der auf dem Land wohnt und einen weiten Weg zum nächsten Volg hat, wird auch künftig auf ein Auto angewiesen sein. Hingegen wird mit den richtigen Massnahmen ein eigenes Auto in der Stadt – und auch in den Agglomerationen – nur noch im Ausnahmefall legitim sein.
Welche Veränderungen und politischen Massnahmen braucht es, um dies zu erreichen?
Bei der Elektrifizierung bin ich ein grosser Fan des aktuellen Ansatzes der Schweiz, dies über CO2-Zielwerte zu regulieren. Man signalisiert den Importeuren einige Jahre im Voraus, welchen CO2-Zielwert sie künftig einhalten müssen. Ob sie dafür auf Elektro oder auch auf kleine Autos setzen, ist ihnen überlassen. Fatal wird es, wenn diese Zielwerte aufgeweicht werden. Damit verliert das System an Glaubwürdigkeit. Hier ist es wichtig, dass sich Akteure wie der VCS für starke Zielwerte einsetzen.
Also ist die Verkehrswende keine Verantwortung, die wir als Einzelpersonen tragen müssen?
Vollkommen auf die Eigenverantwortung zu setzen, ist sehr riskant. Umweltfreundliches Verhalten muss so einfach und selbstverständlich wie möglich werden. Oft wählen wir den ÖV oder das Velo nicht aus moralethischen Überzeugungen, sondern weil es praktischer ist. Und trotzdem hat es einen Vorteil für die Umwelt.